Tod den Wasch- und Nasenbären

Tod den Wasch- und Nasenbären – EU-Kommission will invasive Arten ausrotten und vergrault dabei starke Partner

Zoos und Tierparks wehren sich gegen unsinnige Forderungen

Die EU-Kommission will bestimmte Tier- und Pflanzenarten in Europa ausrotten. Auch beliebte oder häufige Tierarten wie der Waschbär oder der Nasenbär stehen auf einer entsprechenden Liste mit zurzeit vorerst 37 verschiedenen Arten. Diese sogenannten invasiven Arten, welche als Ergänzung zur entsprechenden EU-Verordnung nun auf einer EU-Liste veröffentlicht wurden, sollen von den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten in Zukunft bekämpft und ausgerottet werden. Die Mitgliedsstaaten sollen entsprechende Managementpläne entwickeln.

Dabei sehen sich die Zoos und Tierparks als billigend in Kauf genommene Kollateralschäden dieser neuen Pläne der EU-Kommission. Denn auch in diesen Einrichtungen sollen die gelisteten Tierarten durch eine künstliche Unterdrückung der Fortpflanzung am Ende aussterben.

Es die Rigorosität und völlige Unausgewogenheit der EU-Kommission, die die Zoos besonders aufregt. Denn natürlich beschäftigen sich auch die Zoos in ihrer Bildungsarbeit intensiv mit der Thematik der invasiven Arten und bringen die Lebensweise und die Wechselwirkungen dieser Tiere den jährlich vielen Millionen Besucher näher. Gerade hierin sieht die mitgliederstärkste deutsche Zoovereinigung, die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG), im Gegenteil ein großes Potential in der Zusammenarbeit mit der EU-Kommission um an der Problematik der invasiven Arten gemeinsam zu arbeiten und die Menschen für diese Thematik zu sensibilisieren. Denn der Punkt Sensibilisierung ist zwar eine Kernaufgabe der EU-Verordnung, wird aber durch die jetzt geplante Vorgehensweise völlig in den Hintergrund gedrängt. „Einfach die Zoos per Staatsmacht verpflichten ihre Tierbestände aussterben zu lassen, ist reine Augenwischerei!“ so DTGGeschäftsführer Jan Bauer. „Nur weil ein paar Waschbären in deutschen Zoos in Zukunft wohlmöglich nicht mehr vorhanden sind, vermehren sich die mehreren hunderttausend Waschbären in Deutschland natürlich trotzdem weiter!“

So werden in Deutschland über 100.000 Waschbären jedes Jahr von Jägern erlegt. Trotz dieser auf den ersten Blick großen Zahl breitet sich der Waschbär munter weiter aus. Nur eine sehr viel größere Zahl getöteter Waschbären würde zu einer Reduzierung der Bestände führen. Wenn es der EU-Kommission also tatsächlich ernst wäre mit der der Schaffung von Managementmaßnahmen zur Beseitigung invasiver Arten, wie in der EU-Verordnung gefordert, müssten sehr viel drastischere Maßnahmen als die deutschlandweite Bejagung durchgeführt werden.

Für den insbesondere bei Kindern so beliebten Nasenbären stellt sich die Situation dabei völlig anders dar. Denn dieser ist in Europa nicht großflächig verbreitet wie der Waschbär und eine plötzliche flächendeckende Ausbreitung aus seriös geführten Zoos ist undenkbar. „Jedes Tier im Zoobestand ist individuell erfasst und markiert. Die Tierbestände werden täglich auf Vollständigkeit kontrolliert und die Bestände regelmäßig gemeldet. Und wir haben doch überhaupt kein Interesse an einem Entweichen eines Nasenbären!“ so Jan Bauer weiter. „Im Gegenteil, unser Geschäftsmodell beruht doch gerade darauf, dass wir unsere Tiere in Menschenhand halten. Dies wird uns ja von extremen Tierrechtlern sogar vereinzelt zum Vorwurf gemacht.“

Die Zoos erfüllen schon jetzt hohe Auflagen was zum Beispiel die Gehegeeinfriedung betrifft um ein Entweichen der Tiere zu verhindern. Über diese Auflagen könnte man bei diesen von der EU-Kommission als sensibel eingestuften Tierarten auch gerne nochmal sprechen. Es sind nicht die Bestände der modernen Zoos von heute, welche die Probleme bereiten, so Bauer weiter. Aber natürlich kann man hier von staatlicher Seite schnelle Erfolge vorweisen, da man über die Zoos
direkten und schnellen Zugriff auf die Zootiere hat. Die DTG sieht viele gemeinsame Aspekte, bei denen die EUKommission und die Zoos in der Frage invasiver Arten gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten könnten.
Hinzu kommen bei den Zoos Zweifel, ob alle angedachten Maßnahmen überhaupt mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sind. Die Deutsche Tierparkgesellschaft setzt sich dafür ein, im Interesse der Sache die Unausgewogenheit und Willkür zu   beenden und auf seriöser naturwissenschaftlicher Grundlage zu arbeiten. Die Zoos sind bereit, hier aktiv mitzuarbeiten und insbesondere ihre Fachkenntnisse und Expertise als Tierhalter und Bildungseinrichtung mit einzubringen.

Schwerpunkt muss die Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung der Bevölkerung über das Thema invasive Arten sein. Dies geht nach Ansicht der DTG nur mit Zoos, die auch Waschbär, Nasenbär und Co halten.